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Ökologische Landwirtschaft

Ein Ansatz für ganzheitliche nachhaltige Landwirtschaft

Entwickelt und bearbeitet durch

Herr M. Sc. Jörg Ortmaier, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt
Herr Senator e.h. Jürgen Hilse, Beiratsvorsitzender INLA und G-INNO
Herr Prof. Dipl. Ing. Siegfried Knoll, Institutsleiter INLA
Herr Daniel Hammer, Geschäftsführer G-INNO Management GmbH

Inhalt

Summary
Landwirtschaft als Produktionsfaktor
Landwirtschaft und Artenvielfalt
Landwirtschaft und Klima
Landwirtschaft und Wasser
Landwirtschaft und Bodenerosion
Landwirtschaft und Gesellschaft

Summary

Bisherige Konzepte zur landwirtschaftlichen Flächenbewirtschaftung hatten häufig das Problem einer sektoralen Sichtweise. Das Konzept einer ganzheitlichen Betrachtung zur nachhaltigen Landwirtschaft und Bewirtschaftung fasst alle Aspekte zusammen und soll in Reallaboren Nachweise führen für eine Sinnmaximierung landwirtschaftlicher Flächennutzung.

Statt Mengenerträgen sind Artenschutz, Umgang mit Grundwasser und Oberflächenwasser, Bodenerhalt und Klimaschutz als Ertragsziele gleichberechtigt. Die nachhaltige Landwirtschaft wird hier vor allem durch sinnstiftende Ertragsziele im realen Anbau in der landwirtschaftlichen Praxis erprobt. In Kooperation mit den Fachdisziplinen u.a. Naturschutz, Klimaschutz, Grundwasserschutz und Bodenfruchtbarkeit werden auf ausgesuchten beispielhaften Flächen nachhaltige Anbauweisen mit entsprechenden Parametern untersucht und durchgeführt als erste reale Beispiele mit entsprechenden Nachweisen und Untersuchungen. In den Koalitionsverträgen vom Februar 2018 und Dezember 2021 wurde beschlossen den Artenschutz und damit die Biodiversität in der Landwirtschaft zu beachten, zu erhalten und zu stärken. Der dramatische Verlust an Artenvielfalt erfordert ein Umdenken in der Landwirtschaft, hauptsächlich in der konventionellen Landwirtschaft.

In einer nachhaltigen Landschaftsplanung und Bewirtschaftung der Flächen, sowie in der Stadt- und Siedlungsplanung, ist der Artenschutz und damit der Fortbestand unserer Ökosysteme unverzichtbar und Grundlage aller weiteren Überlegungen. Um die Lebensbedingungen heimischer Tier- und Pflanzenvielfalt, d.h. Biodiversität in den nächsten Jahren zu verbessern. Dies ist eine grundsätzliche Bedingung an eine künftige Landwirtschaft auf allen administrativen Ebenen des Landes, Bundes und Europas.

Die Artenvielfalt/ Biodiversität wird zu einem fundamentalen Thema der Planungsdisziplinen in der nachhaltigen Stadt und Landschaftsplanung, vor allem jedoch in der Landwirtschaft, nicht nur in unserer Region. In der weiteren Betrachtung sind die nachfolgenden landschaftsökologischen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Landwirtschaft von besonderer Bedeutung.
Das heißt:

Sinnmaximierung
für den Erhalt der Biodiversität
für den natürlichen Lebensraum und Naturschutz
für die Fruchtbarkeit der Böden und gegen Erosion
für eine landwirtschaftliche Produktion gesunder Nahrungsmittel ohne Rückstände
statt einer landwirtschaftlichen Produktion zur
Gewinnmaximierung

Landwirtschaft als Produktionsfaktor

Die konventionelle Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten war stets durch Produktionserhöhungen geprägt. Die EU-Agrarsubventionen waren Preissubventionen ohne Mengenobergrenzen. Viele Bewirtschaftungen zielen nur auf hohe Ertragsmengen ab. In den vergangenen Jahren sind Arten-, Grundwasser-, Boden- und Klimaschutz und entsprechende Bewirtschaftungsweisen Ziel einer s.g. Agrarwende geworden, einschließlich der Reduzierung von Pestiziden.

Die Grenzen des Wachstums z.B. in der Tierproduktion, bei Ausfall von Lieferketten und Stillstand von Schlachtbetrieben führte zu Existenzkrisen in einer spezialisierten Landwirtschaft mit Massenproduktion, zuzüglich Preisschwankungen in der Zuführung von Futtermitteln und Nahrungsergänzungsmitteln.

Landwirtschaft und Artenvielfalt

Die Produktionsweisen in der Landwirtschaft haben direkte Auswirkungen auf die Artenvielfalt, sowie auf Strukturvielfalt in unseren süddeutschen Landschaftsraumeinheiten. Die von der HfWU Nürtingen/ Geislingen, Institut für Landwirtschaft und Umwelt entwickelten Biodiversitätschecks (*) für Kommunen in Baden-Württemberg zeigen die dramatische Weise des Artenverlusts in den vergangenen Jahren auf. In diesem Untersuchungsverfahren wird der aktuelle Zustand der biologischen Vielfalt in den landwirtschaftlich genutzten Flächen untersucht und daraufhin sofort kurzfristige Maßnahmen entwickelt. Aufgrund einer Potentialanalyse können nun mittelfristige und langfristige Entwicklungsstrategien in Zusammenarbeit mit veränderten Strukturen einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktionsweise aufgebaut werden. Ein Monitoringprogramm soll die Wirkungsweisen in Abhängigkeit der landwirtschaftlichen Anbaustrategien aufzeigen.

(*) Beim Biodiversitätscheck werden die aus dem Zielartenkonzept entwickelten digitalen Infosystems gewonnenen Daten flächenbezogen kleinräumig ausgewertet und fortgeschrieben.

Nach diesem Konzept wären nach einer detaillierten Aufnahme der Standortpotentiale die ökologischen Vorrangflächen mit einzubeziehen. Nach der Feststellung ihrer Funktion zur Biodiversität sollte die Entscheidung zur temporären Bewirtschaftung dieser Flächen möglich sein, d.h. zur Futtermittelproduktion und ggfls. zur Beweidung. Eine Abweichung zur Effizienz der landwirtschaftlichen Produktion gegenüber einem Verlust an der Artenvielfalt und natürlicher Lebensräume kann danach standortbezogen durchgeführt werden.

Landwirtschaft und Klima

Einen zentralen Beitrag zur CO2 Bilanz (Fußabdruck) leistet die Landwirtschaft. Es gilt, die Bewirtschaftungsmaßnahmen als systemischen Ansatz zu begreifen. In allen Bewirtschaftungsansätzen sind selbstverständlich Methoden zur CO2 Reduktion einzuführen, auch in den jeweiligen Teilprozessen, so z.B. durch das Einbringen von Humus (MC Kompost) in den Oberboden durch Kohlenstoff- Konservierungsmethoden und Kompostierung. Weiterhin CO2 Speicherung in Vegetation und verminderte Stickstoffdüngung und Pyrolyse zu Pflanzenkohle und anderes mehr. Die vielfältige, naturnahe Vegetation der ökologischen Landwirtschaft erhöht neben der Artenvielfalt auch die Photosynthese- Leistung mit wesentlich höherer CO2 Bindung in den belebten Bodenschichten und der Vegetation.

Landwirtschaft und Wasser

Eine vielfältige Vegetation lässt Niederschlagswasser besser in den Boden infiltrieren, behält dieses besser und vermeidet Überflutungen. Neben erhöhtem Zuschlag zum Grundwasser steht danach das Bodenwasser dem Pflanzenwachstum selbst in Trockenphasen zur Verfügung. Die verbesserte Wasserhaltefähigkeit stabilisiert die landwirtschaftlichen Produktionsweisen. Das Wasser steht zur Photosynthese zur Verfügung.

Landwirtschaft und Bodenerosion

Durch vermeidbare Bodenerosion bleiben Nährstoffe in den obersten Bodenschichten erhalten und werden nicht mit schädlicher Wirkung in die Gewässer ausgewaschen. Auswaschungen in das Grundwasser werden durch hohe Humusanteile vermieden und diese aktiven Bodenschichten leisten einen dringend notwendigen Trinkwasserschutz mit seinen immensen sekundären Kosten für die Aufarbeitung.

Landwirtschaft und Gesellschaft

Anstatt der bisherigen Flächensubventionierung zeigen die beschriebenen Maßnahmen, dass verminderte Eingriffe in die Natur positiv wirken. Konkret heißt das, dass umweltfördernde Maßnahmen einen Bonus gewähren, wo hingegen Eingriffe in die Natur durch Bodenbearbeitung, Düngung oder Chemie negative Auswirkungen haben.

Die Bevölkerung befürwortet ein solches Subventionssystem. Denn mit dem vorliegenden Maßnahmenpaket ist nicht nur ein maximaler Anteil Ökolandbau bei erhöhter Flächeneffizienz möglich, sondern auch der anfangs angemerkte „Umweltertrag“ wird zunehmen. Diese Forcierung der Biodiversität und Artenvielfalt in landwirtschaftlich genutzten Flächen ist dringend notwendig, um die zunehmenden Auswirkungen der Besiedelung und Flächenversiegelung auszugleichen. Daneben sind die Einflüsse auf die Grundwasserbildung, die Nitratverminderung und der vorbeugende Hochwasserschutz gleichzeitig essentielle Bausteine des Bevölkerungsschutzes.

Im Hinblick auf eine aktuelle globale Ernährungskrise sind zwar alle Nahrungsmittelressourcen vordringlich zu erhalten, jedoch nur mit einer sinnhaften ökologischen Bewirtschaftung und Reduzierung der Umweltbelastungen und den Klimafolgen.



Aufgestellt, 30.04.2022

M. Sc. Jörg Ortmaier und
Prof. Dipl.-Ing. Siegfried Knoll
Institutsleitung INLA